Jul 03

Bessere Berufsaussichten und ein höheres Einkommen – das versprechen sich all die ehemaligen Schüler, die nach dem Abi an die Uni stürmen (vgl. hier). Seit einem Jahrzehnt ist die Anzahl derer, die den akademischen Weg einer Ausbildung vorziehen, ähnlich hoch. Mindestens drei Viertel der Abiturienten ziehen nämlich von der Schulbank direkt weiter an die Universität. Für viele endet die akademische Laufbahn auch nicht mit dem ersten Abschluss. Beinahe die Hälfte plant bereits den Master oder ein weiterführendes Studium. Für Unis bedeutet das langfristig, dass sie ihre Studienplätze bei so einem Andrang entweder ausbauen oder mit Numerus Clausus strikter beschränken müssen. Seit Jahren führt diese Entwicklung „zur Uni statt zur Ausbildung“ zu Beschwerden und Befürchtungen, dass es in der Wirtschaft irgendwann nur noch überqualifizierte Akademiker gibt und viele Handwerksberufe unter dem Nachwuchsmangel leiden oder sogar auszusterben drohen. Interessanterweise sind es die Mädchen, die sich mit 27% häufiger als die Jungen mit 20% für einen Ausbildungsplatz entscheiden. Langfristig betrachtet bleibt es wohl abzuwarten, welche Effekte auf die Wirtschaft, die Universitäten und die Arbeitswelt der Trend ‚alle an die Uni‘ wohl haben mag. Wenn jeder hoch qualifiziert ist, wird es zumindest nicht mehr der Universitätsabschluss sein, der bei einer Bewerbung den entscheidenden Unterschied ausmacht.


Mai 27

„Gegen ein gutes Netzwerk jedoch könne auch ein zähnefletschender Oberaffe nichts ausrichten“ wiederholt ein Spiegel Online Artikel die Worte des Wirtschaftspsychologen Dominic-Nicolas Gansen-Ammann, der sich statt menschlichen Gruppen tierische für seine Untersuchungen ausgesucht hat. Der Forscher interessiert sich für Hierarchien und Machtstrukturen am Arbeitsplatz, die er in Affengruppen untersucht. Aufgrund ihrer evolutionären Nähe zum Menschen hat Gansen-Ammann sich für Schimpansen und Bonobos als Studienteilnehmer entschieden. Was die beiden Arten unterscheidet? Schimpansen-Gruppen haben ein dominantes, männliches Alphatier. Bei Bonobos hingegen haben die Weibchen das Sagen, weshalb es dort statt Zähnefletschen und Gewalt vor allem um Team-Arbeit und Teilen geht. Forscher Dominic-Nicolas Gansen-Ammann überträgt seine Ergebnisse dann auf den menschlichen Berufsalltag und seine Hierarchien und erhofft sich neue Strategien, die sich von der Tierwelt übernehmen lassen. Beim Vergleich der aggressiveren Schimpansen mit den kooperierenden Bonobos fällt der Forscher dabei ein sehr klares Urteil: Am besten hält man es wie die Bonobos. Denn ein Chef, und mag er ein noch so ein zähnefletschender Oberaffe sein, kann gegen ein geschlossenes Mitarbeiter-Team nicht viel ausrichten. Kooperation, Teilen und Team-Arbeit statt cholerische Alpha-Tiere sind für das Berufsleben auf jeden Fall die friedlichere Strategie. Eine spannende Forschungsarbeit also, bei der das Tier dem Menschen zum Lehrer wird.


Mai 22

Bisher war in der Debatte um Arbeitsbedingungen in unserer digitalisierten Welt mit ständiger Erreichbarkeit immer die Rede von Burn-Out, als Folge von zu viel Stress, zu viel Arbeit und zu wenig Privatleben. Was wäre aber, wenn man gestresst ist, eben weil man durch zu geringe Anforderungen unglücklich am Arbeitsplatz ist?

Ein Mitarbeiter, der nur etwa dreiviertel seiner eigentlichen Energie für die Arbeit aufwendet – das lässt Personalleiter aufhorchen. Laut einer Studie der puls Marktforschung GmbH ist dies allerdings keine Ausnahme sondern vielmehr die Regel. Dabei liegt das nicht etwa an demotivierten Mitarbeitern, sondern schlichtweg daran, dass sich viele in ihrem Job unterfordert fühlen und sich  mehr Feedback wünschen. Und dieses Phänomen hat auch bereits einen Namen: Bore-out. Menschen mit Bore-out fühlen sich schlecht, werden sogar krank von dem Zuviel an Langeweile.

Dementsprechend wäre die Lösung für Bore-out nicht wie beim Burn-Out die Auszeit, sondern die generelle Veränderung der Arbeit, so ein Artikel der Welt. Der Bericht hält dazu an, künftig auch gesundheitliche und psychologische Faktoren mehr in die Personal- und Unternehmensführung einfließen zu lassen. Damit es in Firmen eben nicht nur darum geht, Mitarbeiter zu finden, die immer Vollgas geben, sondern auch darum, ein positives, abwechslungsreiches und forderndes Arbeitsklima zu schaffen, von dem Unternehmen wie auch Angestellte profitieren.


Mai 15

In den meisten Disziplinen wird Studenten im Laufe ihres Studiums klar: Die Chancen nur mit dem Bachelorabschluss in Kunstgeschichte, Germanistik, Medienwissenschaft & Co den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen, sind sehr gering. Es fehlt an praktischer Erfahrung. Also verbringt man die Semesterferien mit Praktika, teils als Pflichtpraktikum fürs Studium, teils aus Eigeninitiative mit motivierter Neugierde oder aus Sorge um die Zeit nach dem Studium. Meist möchten die Unternehmen Praktikanten nur für einen längeren Zeitraum beschäftigen, weshalb viele erst nach dem Studium ein sechsmonatiges oder sogar längeres Praktikum absolvieren. Die Bezahlung, ob während oder direkt nach dem Studium sieht dabei nicht immer rosig aus. Doch das was sich viele Praktis diesbezüglich wünschen und was Arbeitsministerin Andrea Nahles mit einem Mindestlohn für Praktika plant – mehr Geld nämlich – hat leider auch seine Schattenseiten. Sicher, den wirklich ausbeuterischen Praktikantenstellen würde endlich der Garaus gemacht, aber deutlich teurere  Praktikanten könnten sich dann auch nur noch die größeren Unternehmen leisten. Dies würde letztlich zu weniger offenen Praktikantenstellen führen. Kleine Unternehmen und Start-Ups, die für junge Berufseinsteiger häufig ein besonders spannendes Arbeitsumfeld bieten und sogar einen Berufseinstieg bedeuten können, könnten schlichtweg keine Praktikantenstellen mehr anbieten. Ein zweischneidiges Schwert also, die Forderung nach mehr Moneten. Was wiegt letztlich schwerer: Die Erfahrungen, die man als Praktikant in einem spannenden Unternehmen sammelt, oder ein hohes Gehalt? Mehr dazu hier.


Mai 08

Nur noch vier Monate, dann darf die nächste Generation Kindergartenkinder ihre mit Spannung erwartete Schultüte auspacken, zum Fototermin mit stolzen Eltern antreten und den ersten Schultag erleben. Nicht nur für die Kinder, sondern auch für viele Eltern ein einschneidender Tag: Das kleine Kind ist wieder ein bisschen gewachsen, beginnt das erste von vielen Schuljahren und legt die Grundsteine für seine Zukunft. Doch der große Tag stimmt nicht nur Eltern auch nachdenklich. Vor allem für die Kleinen ist es ein unerwartetes Tohuwabohu. Nachdem vorher vor allem Spielen angesagt war, muss man jetzt auf einmal still sitzen und zuhören  – eine ganze Schulstunde lang. Für den Start in das erste Schuljahr ist besonders die Gelassenheit der Eltern wichtig. Denn wenn diese ihre Kinder unter Druck setzen oder ihre eigenen Ängste zu sehr zeigen, kann es dem Kind vermitteln, dass die Schule vielleicht wirklich etwas sein könnte, vor dem man sich fürchten muss. Diese negativen Empfindungen hemmen – auch beim Lernen. Besser ist eine positive und fröhliche Grundstimmung, denn ebenso wie als Erwachsener lernt man auch als Kind dann am besten, wenn man mit dem Gelernten positive Emotionen verbindet. (vgl. hier) Am förderlichsten ist es also, als Eltern entspannt zu bleiben und nicht zu vergessen, dass schon tausende Kinder vor dem eigenen den Übergang zum Schulkind geschafft haben und es gerade den Jüngsten schließlich auch Spaß macht, Neues zu entdecken und zu lernen.


Mai 02

An die Uni ohne Abi? Dass es möglich ist, selbst ohne Hochschulreife oder Fachabitur ein Studium zu beginnen, ist vielen gar nicht bekannt. Obwohl sich Handwerksmeister und Azubis mit ähnlichen Abschlüssen auch auf einen Studienplatz bewerben können, bleibt diese Chance bleibt oft ungenutzt. Die FAZ berichtet über eine Studie des ‚Centrum für Hochschulentwicklung‘, die Gründe dafür liefert, warum ehemalige Azubis lieber den Job als die Uni wählen: Einmal stehen Menschen mit abgeschlossener Ausbildung mit beiden Beinen fest im Berufsleben und haben schlichtweg nicht die Möglichkeit, sich den teilweise starren zeitlichen Vorgaben eines Studiums anzupassen. Außerdem stellen sich die rechtlichen Rahmenbedingungen in einigen Bundesländern den Ex-Azubis wohl häufiger in den Weg, als dass sie ihnen helfen. Fällt die Wahl doch auf ein Studium, so zeigt sich, dass viele die Fachhochschule der Universität vorziehen – die Auswahl an Studiengängen dort, scheint besser zu den Berufsfeldern der ehemaligen Azubis zu passen. Meister & Co machen im Vergleich zu Abiturienten aber weiterhin nur einen kleinen Teil der Studenten aus. Vielleicht ist das Berufsleben dann eben doch ansprechender, als noch einmal weitere drei Jahre zu büffeln.

 


Apr 15

Jetzt hatte man sich nach dem Abitur endlich für einen Studiengang entschieden, sitzt in den ersten Vorlesungen und merkt: Irgendwie ist das nichts für mich. Wer sich an einer Hochschule nicht wohlfühlt und das Studium abbricht, wird allerdings oft schief angeschaut und muss sich mit Kommentaren wie  „Was willst du denn stattdessen machen?“ oder „Ohne Studium findet man doch heute keinen Job mehr!“ auseinandersetzen.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka plant jetzt eine Initiative, die Studienabbrechern eine interessante Alternative zu sechs Semestern Theorie an der Uni bieten soll: Sie möchte ehemalige Studis für das Handwerk begeistern. (vgl. hier) Bonus für die Abbrecher: Bereits absolvierte Leistungen aus dem Studium sollen in der neuen Ausbildung angerechnet werden. Damit war die Zeit an der Uni nicht umsonst. Die Idee, Handwerk und Studienabbrecher voneinander profitieren zu lassen, ist gar nicht abwegig, denn in den nächsten zehn Jahren werden viele Handwerksmeister Nachfolger suchen. Chancen auf eine abwechslungsreiche Karriere und einen beruflichen Aufstieg gibt es also auf jeden Fall – auch ohne Bachelor.


Feb 12

Juhu, eine Freistunde – das ist die Reaktion eines Schülers auf eine Unterrichtsstunde die ausfällt, weil der Lehrer krank ist und niemand da ist, um die Vertretungsstunde zu halten. Doch bei einer Freistunde bleibt es oft nicht. Unterrichtsausfälle haben bedenkliche Ausmaße angenommen. Von tausenden nicht stattfindenden Schulstunden spricht die Welt. Zu den Freistunden, die entstehen, weil ein Lehrer erkrankt ist oder sich Elternzeit nimmt, kommt der seit Jahren bestehende Mangel an Fachlehrern.

Bayern greift jetzt durch, um den Ausfall wertvoller Unterrichtszeit einzudämmen: Lehrer sollen verpflichtet werden, vormittags anwesend zu sein, unabhängig davon, ob sie unterrichten müssen oder nicht. Ob eine derartige Vertretungsstunde dann ein angemessener Ersatz ist, ist eine berechtigte Frage. Denn wenn ein anwesender Lehrer spontan einspringt, kann es sich um ein Fach handeln, in dem er eigentlich nicht unterrichtet. Außerdem ist er eventuell weder mit der Klasse und ihrer Dynamik, noch mit dem aktuellen Lernstoff vertraut. Vertretungsstunden haben eben auch ihre Tücken. Besonders bedenklich wird es, wenn eine Lehrkraft über einen längeren Zeitraum ohne gleichwertigen Ersatzunterricht fehlt. Dann leiden darunter auf lange Sicht die Schüler. Schnell wird aus der wochenlangen Lücke im Stundenplan eine Wissenslücke, die Schüler in darauf folgenden Schuljahren benachteiligt. Die ein oder andere Freistunde ist sicher ein Grund zur Freude, doch wenn das Lernen dabei auf der Strecke bleibt, ist das sicher nicht im Interesse der Schüler.


Feb 04

Für viele Schüler ist es der schlimmste Moment des Tages: Der Morgen. Der Wecker klingelt. Draußen ist es noch stockfinster. Gähnend schleppt man sich in den Unterricht. Oft mit dem Spitznamen Morgenmuffel bedacht, kann man den ersten Schulstunden kaum geistig folgen. Gibt es für solche Startschwierigkeiten vielleicht eine biologische Ursache?

Die Antwort der Wissenschaft ist klar: Unsere Leistungsfähigkeit ändert sich über den Tagesverlauf. Die meisten Menschen sind zwischen 11 und 12 bzw. 14 und 15 Uhr am leistungsfähigsten, erklärt ein Gesundheits- und Bildungsforscher im Focus-Interview. Dass die Schule so früh startet, ist für die meisten Kinder also wirklich anstrengend, denn erst Stunden später sind sie geistig in Topform.
Sind Schulaufgaben und Abfragen morgens um acht also eine Garantie für schlechtere Noten? Ganz so schwarz-weiß verhält es sich mit dem Biorhythmus dann doch nicht. Die meisten Menschen sind in der genannten Zeit zwar geistig auf dem Höhepunkt, doch das bedeutet nicht, dass mit dem Gehirn zu den restlichen Tageszeiten gar nichts anzufangen ist. Außerdem passen natürlich nicht alle Leistungskurven exakt in diese Zeitfenster. Der zeitliche Rahmen ist vielleicht eher ein interessanter Orientierungspunkt, um herauszufinden, zu welcher Tageszeit man selbst am effektivsten lernen kann.


Jan 28

Gamification heißt ein neuer Lerntrend: Auf der Internationelen Fachmesse LEARNTEC, die Anfang Februar in Karlsruhe stattfindet, stellt dieser neben MOOCs und mobilem Lernen einen Schwerpunkt der Messe dar (vgl. hier). Bei Gamification werden spieltypische Bausteine wie Highscores oder Bonuspunkte außerhalb ihres üblichen Umfeldes eingesetzt. Weil immer mehr Studien dem Spielen, insbesondere dem Strategiespielen, das Fördern von Problemlösungsfähigkeiten und kreativem Denken attestieren, werden Unternehmen auf das Segment aufmerksam. So kommt es zu Neuerscheinungen wie Bewerbungs-Apps oder Branding Games, berichtet Spiegel Online. Auch Lernsoftwares können durch spielerische Elemente ‚gamifiziert‘ werden: BRAINYOO zeigt z.B. wie bei einem ‚Quest‘ im Spiel an, welche Karteikarten wann zu lernen sind. Eine spannende Image-Wende also für eine Freizeitbeschäftigung, die doch so lange als sinnlose Zeitverschwendung abgetan wurde.


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